Hauptseite

Aus Koordinationsgruppe Türkei
Wechseln zu: Navigation, Suche
Überblick
Tuerkei.jpg

Amnesty Report 2016

Türkei

Nach den Parlamentswahlen im Juni 2015 und dem erneuten Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und den türkischen Streitkräften im Juli verschlechterte sich die Menschenrechtssituation zunehmend. Die Medien waren 2015 beispiellosen Repressalien ausgesetzt, und die Meinungsfreiheit wurde erheblich eingeschränkt, auch im Internet. Die Behörden verletzten nach wie vor das Recht auf Versammlungsfreiheit. Fälle von exzessiver Polizeigewalt und von Misshandlungen in Gewahrsam häuften sich. Die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen wurden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Die Unabhängigkeit der Justiz wurde weiter untergraben. Bei Selbstmordanschlägen, die der bewaffneten Gruppe Islamischer Staat (IS) zugeschrieben wurden und die sich gegen linke und pro-kurdische Aktivisten und Demonstrierende richteten, wurden 139 Menschen getötet. Die Türkei nahm Schätzungen zufolge 2,5 Mio. Flüchtlinge und Asylsuchende auf. Nachdem die türkische Regierung mit der EU eine Vereinbarung geschlossen hatte, die darauf abzielte, die Zahl der Flüchtlinge, die über die Türkei in die EU kommen, zu begrenzen, nahmen willkürliche Festnahmen und Abschiebungen zu.

Zum kompletten Bericht


Weitere aktuelle Information

Pressemitteilung, 30.06.2016

Türkei: Durch Operationen der Sicherheitskräfte in der Südost-Türkei droht Rückfall in weitverbreitete Menschenrechtsverletzungen wie in den 1990er Jahren

Die Operationen der Sicherheitskräfte in der Südost-Türkei in den letzten Monaten werden außerhalb der gesetzlichen Grenzen und dem Schutz des Rechts durchgeführt. Dies zeigt sich an der zunehmenden Anzahl der Belege für schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter und Straflosigkeit bei Menschenrechtsverstößen. Während der 1990er Jahre, auf dem Höhepunkt des Konflikts zwischen der türkischen Obrigkeit und der bewaffneten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), dokumentierte Amnesty International systematische Folter, verbreitetes Verschwindenlassen und nahezu vollständige Straflosigkeit für Menschenrechtsverbrechen, die von Angehörigen der Sicherheitskräfte verübt wurden. Die türkische Regierung darf einen Rückfall auf diesen Tiefpunkt der Menschenrechtssituation des Landes nicht zulassen.
Zur kompletten Pressemitteilung

Neueste Information

Urgent Action, 29.07.2016
Türkei: Menschenrechte gelten auch nach dem Putschversuch!

Schläge, Vergewaltigungen, bis zu 48 Stunden in Stresspositionen ausharren müssen: Das sind nur einige der grausamen Taten, die seit dem gescheiterten Militärputsch am 15. Juli in türkischen Hafteinrichtungen stattfinden.

Nach Angaben der türkischen Behörden hat der Putschversuch mindestens 208 Menschen das Leben gekostet, mehr als 1.400 Personen wurden verletzt. Klar ist: Die Täter für diese Gewalt müssen zur Verantwortung gezogen werden – mit allen Mitteln des Rechtsstaates. Doch die türkischen Behörden müssen die Menschenrechte respektieren. Das Folterverbot gilt immer und unter allen Umständen!

Fordern Sie die türkische Regierung dazu auf, das Folterverbot einzuhalten! Unterzeichnen Sie unsere Online-Petition: https://www.amnesty.de/tuerkei

Es wird immer deutlicher, dass die türkische Regierung die derzeitige Situation ausnutzt, um gegen tatsächliche und vermeintliche kritische Stimmen im ganzen Land vorzugehen. Zehntausende Polizeikräfte, Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und -anwälte sowie Lehrerinnen und Lehrer wurden suspendiert. Außerdem dient der Putschversuch offenbar als Vorwand für einen weiteren Schlag gegen die Pressefreiheit: Viele Medienschaffende wurden allein aufgrund ihrer tatsächlichen oder unterstellten politischen Haltung verhaftet. Aber Grundrechte und Freiheiten dürfen nicht politisch motivierten "Säuberungen" zum Opfer fallen!

Besonders beunruhigend ist die Verhängung des Ausnahmezustandes am 20. Juli: Nur wenige Tage später verkündete die türkische Regierung eine erste Verfügung, die es erlaubt, Personen bis zu 30 Tage ohne Anklage zu inhaftieren.

Die Menschenrechte müssen geachtet werden! Wenn die Menschenrechte nicht gelten, kann sich niemand mehr sicher fühlen.

Fordern Sie die türkische Regierung dazu auf, Menschenrechte zu respektieren und faire Gerichtsverhandlungen zu gewährleisten!

Hier geht es zur Online-Petition


Immer noch aktuelle Information

Amnesty Journal April 2016
Von Çiğdem Akyol

Der Krieg nebenan

Der türkische Staat kämpft wieder mit Panzern und ­Scharfschützen gegen kurdische Rebellen. Doch erstmals in der Geschichte des Konflikts fallen die Schüsse und ­Granaten nicht auf dem Land und in den Bergen, sondern in dicht besiedelten Wohngebieten. Die Europäische Union schweigt, weil sie Erdoğan in der Flüchtlingskrise nicht vergraulen will.

Fünf Tage und Nächte lang haben sie sich vor dem Kugelhagel verschanzt, sie haben unter den Tischen geschlafen, für den Fall, dass das Dach einstürzt. Sie haben die Lichter auch nachts nicht angeschaltet, weil sie fürchteten, ein Scharfschütze könne auf sie zielen. Sie haben überlebt, und jetzt versucht Familie Tuncer inmitten des Wahnsinns, weiterhin in Deckung zu gehen. "Wir wissen nicht, ob wir überhaupt noch eine Zukunft haben als Kurden in diesem Land", sagt Hasan Tuncer.

Der 28-jährige Elektriker sitzt in seinem Wohnzimmer in Sur - dem Altstadtviertel der südosttürkischen Stadt Diyarbakır. Die kleine Wohnung ist schmutzig, durch die zerstörten Gebäude rundherum zieht der Staub in ihr Zuhause ein. Das Küchen­fenster ist zersplittert, ein Querschläger, sagt Tuncer. Sein zweijähriger Sohn Mehmet tapst neben ihm her, seine Frau Emine hängt die Wäsche auf einer Leine auf, die von Dach zu Dach gespannt ist. Sie schaut auch nicht hoch, als Granateneinschläge zu hören sind, nur der Vater nimmt seinen Sohn in den Arm und streichelt ihm beruhigend über den Rücken. "Ich weiß überhaupt nicht, was ich meinem Jungen erzählen soll", sagt der Vater. "Wie soll ich einem Kind klarmachen, dass wir gejagt werden, weil wir hier nicht als Menschen gelten?" ...
Zum kompletten Bericht